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Integrationsamt

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Prävention

Prämierung und Fachtagung zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) am 11.06.2009 in Dresden

Das Integrationsamt unserer Außenstelle Chemnitz führte in Zusammenarbeit mit dem Sächsischen
Staatsministerium für Soziales am 11.06.2009 im Konferenzsaal der Sächsischen Aufbaubank eine
Fachtagung zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement durch.

Fachtagung zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement

 

In dieser sehr gelungenen Konferenz gaben Vertreter der Bundes- und Landesregierung, Fachleute
der Rehabilitationsträger und auch Vertreter der Betriebe ihre Erfahrungen im Umgang und über die
zunehmende Bedeutung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements weiter. Die hohe Teilnehmerzahl
von 160 - besonders von Arbeitgebern - bestätigte den noch vorhandenen Aufklärungs- und
Informationsbedarf. In dieser Fachtagung nahm zudem Herrn Staatsminister Jurk zusammen mit unserem
Verbandsdirektor Herrn Werner und mit Herrn Scholz, Fachbereichsleiter 4, die Prämierung
derjenigen sächsischen Betriebe und Dienststellen vor, die sich durch die Einführung eines vorbildlichen
Betrieblichen Eingliederungsmanagements besonders verdient gemacht hatten. Die Ausgezeichneten
sind: 

Wacker Chemie AG aus Nünchritz

Die Wacker Chemie AG mit derzeit ca. 860 Mitarbeitern ist der größte industrielle Arbeitgeber im Landkreis Meißen. In ihren Kernarbeitsgebieten - Halbleiter, Polysilizium, Polymere und Spezialchemiekalien, Silicone - gehört WACKER weltweit zu den führenden Unternehmen. Im Unternehmen sind 30 schwerbehinderte Menschen und 17 den schwerbehinderten Menschen Gleichgestellte beschäftigt.
Zum Teil wurden in Folge der Einführung des BEM neue Arbeitsplätze geschaffen.
Es ist durch BEM dem Unternehmen gelungen, frühzeitig durch funktionierende Netzwerke erkrankte Mitarbeiter entsprechend der gesundheitlichen Beeinträchtigungen an neue oder vorhandene Arbeitsplätze ein- bzw. umzusetzen. Dabei ist das Zusammenspiel des Integrationsteams mit dem Werksarzt wie auch den Rehabilitationsträgern und dem Integrationsamt hervorzuheben. Sehr gute Eingliederungsentscheidungen haben dazu beigetragen, dass es in den letzten Jahren keine Anträge auf Zustimmung zur Kündigung im Integrationsamt gab. Zudem wurden behinderungsbedingte Arbeitsplatzveränderungen zum Großteil selbst vom Unternehmen finanziert.
Modernste Sicherheitstechnik sowie eine zeitgemäß ausgerüstete Werksfeuerwehr gewährleisten ein hohes Maß an Sicherheit und minimieren potentielle Risiken für die Mitarbeiter.
Die Pflichtquote liegt bei 5,4 % und wurde zum Vorjahr um 1 % erhöht, zudem vergibt das Unternehmen Leistungen an die Werkstatt für behinderte Menschen „Lebenshilfe“ in Riesa, die am gesamten Standort Nünchritz für die Grünanlagenpflege verantwortlich ist. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist es dem Unternehmen gelungen, keine betriebsbedingten Kündigungen von schwerbehinderten und denen gleichgestellten Menschen aussprechen zu müssen, nicht zuletzt auch durch die Beharrlichkeit bei der Einführung des betrieblichen Eingliederungsmanagements.

Johnson Controls Objekt Zwickau GmbH & CO KG

Dieses Unternehmen ist in Zwickau ansässig und gehört mit der Herstellung von Komplettsitzgarnituren für die Automobilindustrie zur Textilindustrie. Der Betrieb fertigt Fahrzeugsitzgarnituren in überwiegend manueller Fertigung, so dass Erkrankungen der Rücken- und Armmuskulatur die häufigsten Ursachen sind.
Von den derzeit 289 Mitarbeitern sind 6 schwerbehinderte Menschen. Trotz intensiver Bemühungen konnte die Pflichtquote nicht ganz erfüllt werden. Einige Einarbeitungsversuche von schwerbehinderten Mitarbeitern scheiterten auf Grund der Schwere der Arbeit, der permanenten psychischen und physischen Belastung und der Schichtarbeit. Um trotzdem der sozialen Verantwortung gerecht zu werden, arbeitet die Firma seit vielen Jahren mit der WfbM Zwickau „Lucaswerkstatt“ zusammen. Eigens für Beschäftigte der WfbM wurden im Unternehmen Arbeitsplätze eingerichtet, so dass dadurch auch die Abgabepflicht entfällt. Mit dem Ziel, die Ausfallquote dauerhaft und nachhaltig zu senken, hat das Unternehmen das betriebliche Eingliederungsmanagement eingeführt. Von den bisher 5 durchgeführten Fällen konnte in 3 Fällen durch entsprechende Maßnahmen eine Weiterbeschäftigung erreicht werden.
Die aus der Praxis gewonnenen Erkenntnisse werden genutzt, um präventiv Ausfallursachen vorzubeugen.
Beispielsweise wurden Rolltore und Schutzfolien zur Vermeidung von Zugluft und Kälte angebracht.
Einige Arbeitsplätze wurden zur Vermeidung von Skelett- und Muskelerkrankungen ergonomisch umgestaltet. Zudem gibt es im Unternehmen physiotherapeutische Maßnahmen und verschiedene präventive Angebote, wie Rückenschule, Durchführung von Gesundheitstagen und Schutzimpfungen.
Das Unternehmen unterstützt auch die Aktion “Mit dem Fahrrad zur Arbeit“ und belohnt dies mit kleinen Präsenten bei der Teilnahme.

Kommunale Wasserwerke Leipzig

Hier sind insgesamt 592 Mitarbeiter beschäftigt, davon 16 schwerbehinderte und 10 denen gleichgestellte Mitarbeiter. Die Pflichtquote wird mit 4,83 % von 5,00% nur knapp nicht erfüllt, was letztendlich auch der überwiegend schweren körperlichen Tätigkeit der Beschäftigten geschuldet ist.
Im Betrieb wird das BEM bereits 2006 eingeführt. Beispielgebend ist hier die ausführliche und exakte Dienstvereinbarung zur Einführung des BEM unter Beachtung des Datenschutzes. Durch die Errichtung eines Frühwarnsystems zur Erfassung und Spezifizierung verschiedener Daten kann rechtzeitig im Einzelfall agiert werden, um länger als 6 Wochen erkrankten Mitarbeiter Maßnahmen im Rahmen des BEM anzubieten mit dem Ziel, die Arbeitsunfähigkeit schnellstmöglichst zu überwinden und den Betroffenen wiedereinzugliedern. Das Einzelfallmanagement wird detailliert dokumentiert und das Dokumentationsblatt wird im Integrationsamt aufbewahrt.
Im Rahmen des BEM gewonnene Erkenntnisse werden im Unternehmen umgesetzt. Beispielsweise wurde im Kundencenter ein erhöhter Krankenstand erfasst. Die Ursache – Zugluft – wurde schnell gefunden und das Unternehmen hat eine Verglasung der Bereiche vorgenommen.
Zudem werden präventive Maßnahmen, wie Kursprogramme im Gesundheitszentrum, Seminare
Stressmanagement, Fitness für Sieger etc. angeboten. Bereits in mehreren Fällen konnten auch in
diesem Unternehmen durch die Durchführung des BEM Kündigungen von schwerbehinderten Mitarbeitern
vermieden werden und dem Arbeitgeber somit erfahrene Mitarbeiter erhalten bleiben.

Berufsförderungswerk Leipzig

Das Berufsförderungswerk Leipzig ist ein überregionaler Dienstleister auf den Gebieten Beratung, Diagnostik und Assessment, Qualifizierung,
Prävention und Rehabilitation. Das Berufsförderungswerk Leipzig beschäftigt 200 Mitarbeiter, wovon 10 schwerbehinderte Mitarbeiter und 4 denen Gleichgestellte sind. Die Pflichtquote wird damit übererfüllt. In den letzten 2 Jahren wurden zwei schwerbehinderte Mitarbeiter neu eingestellt.
Seit 2006 wird hier ein unternehmensinternes BEM durchgeführt, welches Teil des Gesundheitsmanagements ist, in dessen Rahmen beispielsweise Gesundheitszirkel, Ernährungsberatung oder Sportangebote für die Mitarbeiter vorgehalten werden. Die Umsetzung des BEM erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen der Geschäftsleitung, Sozialpartner und einer erfahrenen Disability Managerin.
2007 erhielt das BFW die IDMSC – Auditierung (International Disability Management Standards Council).
Im Rahmen des Einzelfallmanagements wurden für Mitarbeiter bereits einige Maßnahmen eruiert und umgesetzt: Behinderungsgerechte Ausstattung des Arbeitsplatzes mit technischen Hilfen, Veränderungen der Arbeitsplatzorganisation, innerbetriebliche Umsetzung, arbeitsplatzbezogene Qualifizierung, Testung der aktuellen Leistungsfähigkeit und stufenweise Wiedereingliederung.
In drei Fällen konnten so Kündigungen von gehandicapten Mitarbeitern vermieden werden.
Ein wesentliches Erfolgskriterium seit der Einführung des BEM sieht man im BFW Leipzig in der Senkung des Krankenstandes.

Finanzamt Döbeln

Das Finanzamt Döbeln ist eine Dienststelle des SMF des Freistaates Sachsen. In Döbeln arbeiten 97 Beschäftigte, davon sind 2 Mitarbeiter schwerbehindert und 4 gleichgestellte behinderte Menschen. Die Pflichtquote wird somit erfüllt.
Bereits seit 2006 wird auch hier das betriebliche Eingliederungsmanagement eingeführt und gelebt.
Die Ziele der Dienststelle sind u.a. die Förderung der Gesundheit, Vermeidung von chronischen Erkrankungen und Behinderungen, Überwindung und Reduzierung der Arbeitsunfähigkeitszeiten. Als individuelle Besonderheit wird hier die Durchführung eines BEM auch dann eingeleitet, wenn erkrankte Mitarbeiter weniger als 6 Wochen fehlen und sie dies ausdrücklich wünschen. Eine herausragende Rolle im BEM-Verfahren liegt in der Verantwortung des Amtsleiters. Er dokumentiert die Durchführung unter Berücksichtigung des Datenschutzes und ist zuständig für den Informationsaustausch.
Im Rahmen der Prävention werden verschiedene Maßnahmen angeboten: Sportfest, eintägige Schulung zur Stressvermeidung, Rückenschule. Zudem wurden zur Erprobung Stehpulte angeschafft. Bei Stresssituationen können sich Mitarbeiter Entspannungs-CDs ausleihen.
Erste Auswertungen seit der Einführung des BEM zeigten, dass auch hier das Gesundheitsbewusstsein der Beschäftigten gewachsen ist. Die hohen Teilnehmerzahlen bei den Kursangeboten beweisen, dass die Beschäftigen selbst auch bereit sind, aktiv im Rahmen der Prävention etwas für ihre Gesundheit zu tun.

Gruppenfoto der Preisträger

Redebeiträge und Erfahrungsberichte wurden nach den Grußworten unseres Verbandsdirektors Herrn
Werner
im Tagesverlauf vorgetragen von Herrn Dr. Blanke, Bundesministerium für Arbeit und Soziales,
von Frau Mannel, Abteilungsleiterin im SMS, von Herrn Scholz, Fachbereichsleiter im KSV
Sachsen und Leiter des Integrationsamtes, von Herrn Damrau, Hauptschwerbehindertenvertreter
VATTENFALL, von Herrn Schulze, Projektleiter KGA Kompetenzzentrum für gesunde Arbeit GmbH
und von Frau Koch, Schwerbehindertenvertreterin METRO Leipzig, vorgetragen und mit großem
fachlichen Interesse von den Zuhörern aufgenommen.

RednerRednerRedner

Es gab zudem in den wenngleich kurzen Pausen Zeit für viele Fachgespräche untereinander und natürlich mit den „Spezialisten“ des Integrationsamtes.

Hier finden Sie die Vorträge und Redebeiträge:

icon Herr Schulze, Projektleiter KGA Kompetenzzentrum (1.35 MB)

icon Herr Damrau, Hauptschwerbehindertenvertreter VATTENFALL (1.05 MB)

icon Frau Koch, Schwerbehindertenvertreterin METRO Leipzig (7.19 MB)